Mannschaften - 2. Bundesliga Süd - Hofheim 12019 / 2021


3. und 4. Runde der 2. Bundesliga Süd in Walldorf
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3. Runde am Samstag, 23. November 2019 - 14:00 Uhr

    SV 1947 Walldorf             -  SV 1920 Hofheim              2 : 6
1.  Adrian Gschnitzer            -  Vitaliy Bernadskiy           ½ : ½
2.  Dr. Oswald Gschnitzer        -  Andrey Sumets                0 : 1
3.  Horst Vonthron               -  Anthony Wirig                ½ : ½
4.  David Färber                 -  Gennadi Ginsburg             ½ : ½
5.  Dr. Olaf Müller              -  Mathias Womacka              0 : 1
6.  Dr. Joel Adler               -  Vladimir Gurevich            0 : 1
7.  Fabian Fichter               -  Davit Lobzhanidze            ½ : ½
8.  Dr. Frank-Martin Haas        -  Dr. Erik Zude                0 : 1

4. Runde am Sonntag, 24. November 2019 - 10:00 Uhr

    SV 1920 Hofheim              -  SC Eppingen                  3 : 5
1.  Vitaliy Bernadskiy           -  Christopher Noe              1 : 0
2.  Andrey Sumets                -  Florian Mesaros              1 : 0
3.  Gennadi Ginsburg             -  Zoltan Medvegy               0 : 1
4.  Mathias Womacka              -  Namig Guliyev                0 : 1
5.  Vladimir Gurevich            -  Armin Juhasz                 ½ : ½
6.  Davit Lobzhanidze            -  Jonas Hacker                 0 : 1
7.  Arno Zude                    -  Anton Bilchinski             ½ : ½
8.  Ulrich Weber                 -  Prof. Dr. Christian Mann     0 : 1

SV 1947 Walldorf - SV 1920 Hofheim
Guter Einstand der Neuzugänge


Die zweite Doppelrunde in der 2. Bundesliga Süd war für Hofheim 1 die erste richtige, da wir zuvor nur die Einzelrunde gegen unseren Reisepartner Heusenstamm gespielt hatten, während die anderen Mannschaften der Liga schon in zwei Runden Punkte sammeln durften. Nach der damaligen deutlichen Niederlage mussten wir anfangen zu punkten und traten mit unseren drei großmeisterlichen Neuzugängen Vitaliy, Andrey und Anthony an. Am Samstag ging es gegen den Aufsteiger aus Walldorf, der in der ersten Doppelrunde die Co-Aufsteiger aus Neuberg und Worms von den Brettern gefegt hatte und nicht unterschätzt werden durfte.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Walldorf war auch der Gastgeber für diesen Doppelwettkampf, die andere Paarung war Eppingen gegen Heusenstamm. Die Partien wurden im großen Saal der Walldorfer Astoria-Halle gespielt, die reichlich Platz für die Spieler und Kiebitze bot und im Foyer auch Platz fürs Analysieren. In einem anderen Teil des Komplexes wurde offenbar Fußball gespielt, was die Schachspieler allerdings nicht störte oder beeinträchtigte.

Klare Richtungen zeichneten sich zuerst bei Mathias und Anthony ab. FM Olaf Müller baute sich als Schwarzer in einem Tarrasch-Franzosen sehr ehrgeizig am Damenflügel auf und gab GM Mathias Womacka damit Zeit und Raum am Königsflügel. Schwarz hatte noch gar nicht rochiert, da zerrte schon ein Springeropfer auf f7 den König ans Licht. Die so „gewonnene“ Figur musste Schwarz bald zurückgeben, um Schlimmeres zu verhindern, und bald dann auch eine Qualität dazu. Mathias brachte die Partie schnell zum erfolgreichen Abschluss.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Dagegen konnte GM Anthony Wirig mit seinem Trompowski keinen Vorteil erzielen. FM Horst Vonthron machte keinerlei Zugeständnisse, die Stellung vereinfachte sich Schritt für Schritt, Anthony verwandte viel Zeit auf der Suche nach Ideen, das Gleichgewicht zu stören (positiv zu stören!), aber es half nichts, bei inzwischen knapper Zeit war die Stellung derart ausgeglichen, dass er Remis anbot.

Ebenfalls remis gegeben wurde die Partie zwischen GM Gennadi Ginsburg und David Färber, allerdings nur nach einigen Abenteuern. Gennadi hatte mit der Sizilianischen Kalaschnikow-Variante erst ausgeglichen und sich dann einen leichten Vorteil erspielt, insbesondere eine Schwächung der weißen Königsstellung. Jedoch ermöglichte eine unvorsichtige Platzierung eines Turms auf einem ungedeckten Feld David eine Folge zweier Doppelangriffe, mit denen er eine Qualität gewann. Zum Glück gaben die übrig gebliebenen Schwerfiguren in Verbindung mit dem zentral postierten Läufer und der geschwächten Königsstellung Gennadi genügend viele Drohungen, so dass auch diese Partie nach der Zeitkontrolle unentschieden endete.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Da war IM Erik Zude an Brett 8 gerade fertig geworden. Seine Eröffnung (1…d6!) war gut gelaufen, aber das dann folgende Spiel am Damenflügel war wohl zu ehrgeizig. Am Königsflügel machte Frank-Martin Haas so viel Druck, dass Erik sich gezwungen sah, einen Bauern herzugeben. Gegen einen Computer wäre er damit nicht durchgekommen, aber sein menschlicher Gegner verlor in beiderseitiger Zeitnot erst seinen Mehrbauern und dann noch einen dazu. Schließlich das Drama im 40. Zug: Weiß hat noch ca. 30 Sekunden, vertieft sich noch einmal in die Stellung, überlegt, wie er am besten Widerstand leisten kann, der Sekundenzähler zählt, die Umstehenden halten den Atem an, der Spieler schreckt auf, bemerkt die übrig gebliebene eine Sekunde, macht schnell den naheliegenden Zug, drückt die Uhr und … der Schiedsrichter schreitet ein. Gerade ist die Uhr auf die zweite Zeitperiode umgesprungen und Frank-Martin hat die Zeit überschritten! Angesichts der vorhergegangenen Wirren ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg für Erik.

Nicht lange nach der Zeitkontrolle machten auch IM David Lobzhanidze und Fabian Fichter Remis. David hatte in einem Rossolimo-Sizilianer nach der Öffnung des Zentrums die optisch leicht besser aussehende Stellung, aber Fabian verteidigte sich präzise und selbst Davids Versuch, unter Bauernopfer die gegnerischen schwarzen Felder zu schwächen und daraus mit Dame und Springer gegen Dame und (weißfeldrigen) Läufer etwas zu machen, reichte nur zum Ausgleich.

Zwischenstand: 3,5:1.5 für Hofheim und die noch laufenden Partien standen alle gut!

2. Bundesliga Süd in Walldorf GM Vitaliy Bernadskiy, Gewinner der diesjährigen Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften in Bad Wiessee, hatte seinen Einstand als unser neues Spitzenbrett. Nach der Eröffnung platzierte Vitaliy als Weißer seinen Springer zentral auf d5, während der ebenfalls junge FM Adrian Gschnitzer mit einem Springer auf d4 dagegenhielt. Eine Abwicklung im Zentrum erlaubte Vitaliy den Gewinn des sTa8 gegen seinen wLg2 plus einen Bauern, und um die übrig gebliebenen Figuren auf Turm gegen Springer zu reduzieren, gab Vitaliy noch einen zweiten Bauern her. Aber kurz vor der Zeitkontrolle geriet sein Turm auf Abwege. Zwar konnte er den gegnerischen König zurückdrängen und mit dem eigenen im Zentrum vorrücken, aber gerade als die schwarze Stellung auseinanderzufallen schien, zog Adrian noch einen taktischen Trick (Springergabel!) aus dem Ärmel, der zum Abtausch des vorletzten weißen Bauern führte. Seinen letzten Bauern konnte Vitaliy dann auch nicht mehr vor dem Abtausch bewahren. Also unentschieden mit Turm gegen Springer.

Über die volle Distanz gingen die Spieler an den beiden übrigen Brettern. GM Andrey Sumets gelang es erst in der Zeitnotphase, gegen den soliden IM Oswald Gschnitzer in Vorteil zu kommen, und kurz danach gewann er einen Bauern. Aber es ergab sich ein Endspiel mit Turm, ungleichfarbigen Läufern sowie drei bzw. zwei Bauern, das Andrey noch lange kneten musste, um den ganzen Punkt einzustreichen.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Noch anspruchsvoller war die Schlussphase der Partie für GM Vladimir Gurevich. Sein Gegner, FM Joel Adler, hatte sich auf den „Gewinn“ von Damen und Bauer gegen Turm, Läufer und Springer eingelassen … oder war es ein Damen„opfer“ von Vladimir? Wie dem auch sei, das Materialverhältnis sprach für Vladimir, bis ihn eine Ungenauigkeit vor die Wahl stellte, entweder Dauerschach zuzulassen oder einen zweiten Bauern herzugeben. Vladimir entschied sich fürs Weiterspielen, musste in der Folge aber höllisch aufpassen, dass ihm die wendige Königin nicht links oder rechts weiteres Material abknöpfte. Bald waren beide Spieler auf die 30 Sekunden angewiesen, die sie pro Zug dazubekamen. Vladimir bildete systematisch einen Freibauern am Damenflügel, während Joel es verpasste, rechtzeitig seine eigenen Bauern am Königsflügel vorzurücken. Am Ende war Vladimirs Freibauer entscheidend und auch in der letzten noch laufenden Partie der volle Punkt unter Dach und Fach. Ein großer Kampf beider Spieler!

Endergebnis: 6:2 für Hofheim, die „Pflicht“ erfüllt, die „Kür“ auch gut bewältigt, unsere Neuzugänge integriert und die rote Laterne abgegeben. So weit, so gut!
(Arno Zude)

SV 1920 Hofheim - SC Eppingen
Remis?


(Wann) soll man ein Remis annehmen oder selbst anbieten? Vor dieser Frage standen fünf Hofheimer in unserem Wettkampf gegen Eppingen, fanden unterschiedliche Antworten und kamen mit ihren Lösungen insgesamt schlecht weg.

Im Nachhinein ist es nicht mehr zu rekonstruieren, aber vermutlich als Erstem wurde unserem GM Vitaliy Bernadskiy am Spitzenbrett Remis angeboten. Vitaliy hatte als Schwarzer einen englischen Aufbau mit 1…e6, 2…b6 und 3…Lb7 gewählt. Daraufhin breitete sich IM Christopher Noe im Zentrum aus, wo sein wBd5 den sLb7 einschränkte. Von dem angebotenen Friedensschluss wollte Vitaliy aber nichts wissen, und einige Züge später konnte er sich mittels eines Bauernopfers gegen Kompensation aus seiner etwas beengten Lage befreien.

Dann setzte FM Anton Bilchinski IM Arno Zude ein Remisangebot vor. Ich hatte als Schwarzer im abgelehnten Damengambit schnell ausgeglichen, allerdings war die Stellung dabei auch symmetrisch und recht unproblematisch geworden, insbesondere wenn Weiß es darauf anlegte, solide zu spielen. Ich nahm das frühzeitige Remis also an, eine Entscheidung, die mich später nicht mehr zufriedenstellte.

GM Vladimir Gurevich benötigte, ebenfalls mit Schwarz, etwas länger, seine Eröffnungsprobleme zu lösen, und prompt folgte ein Remisangebot von IM Armin Juhasz. Vladimir nahm das Angebot an, da seine Igelstellung zwar widerstandsfähig war, die Ideen, Aktivität zu entwickeln, sich aber auf weißer Seite fanden.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Spannend und gefühlt hin und her ging es lange Zeit bei GM Mathias Womacka. Er ging den Sizilianischen Scheveninger von GM Namig Guliyev aggressiv mit frühzeitigem e4-e5 an, was für beide Seiten riskant ist: für den schlechter entwickelten Schwarzen eher kurzfristig bei taktischen Attacken, für den Weißen dagegen längerfristig, wenn der vorgerückte Bauer schwach wird. Zunächst musste Schwarz aufpassen, nicht vom Brett gewischt zu werden, und als der wBe5 zum „Sargnagel“ auf f6 avancierte, sah die Stellung auch noch gut für Mathias aus. Aber seine Bedenkzeit wurde immer knapper, GM Guliyev konnte seinen König mit ...Kh8…Tg8…g6-g5 und …h7-h6 sicherstellen und war dann ob der weißen Bauernschwächen auch schon auf der Siegerstraße.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Auch GM Gennadi Ginsburg gelang es mit Schwarz recht schnell auszugleichen. Gennadi hatte die Tarrasch-Verteidigung gewählt, die ihm aktives Figurenspiel als Kompensation für den isolierten Zentralbauern versprach. Und in der Tat ließ GM Zoltan Medvegy einen Einschlag auf f2 zu, der (meint der Computer) schnell zum Dauerschach hätte führen sollen. Gennadis Fortsetzung war komplizierter und an einer Stelle kam er dann vom richtigen Weg ab, der für Menschen auch verdächtig aussah. GM Medvegy gewann eine Qualität und baute in der Folge fachgerecht seinen Vorteil aus. Die Verwertung zum Sieg dauerte dann ziemlich lange, stand jedoch zu keiner Zeit in Zweifel.

2. Bundesliga Süd in Walldorf Zu dieser Zeit war die Lage bei GM Andrey Sumets unklar und nach Remis sah es nicht aus. Ausgehend von Katalanisch hatte sich ein holländischer Stonewall-Aufbau ergeben, bei dem sich IM Florian Mesaros als Schwarzer zielstrebig und bedrohlich für einen Königsangriff in Stellung brachte. Demgegenüber versprach Andreys Spiel am Damenflügel keine schnellen Früchte. Bedenklich stimmte mich als kiebitzendem Mannschaftsführer, als Andrey geschlagene 40 Minuten aufwendete zu überlegen, wie er den kommenden Sturm überstehen würde, und dann den angebotenen h-Bauern einsackte. Würde das den Angriff nicht noch beschleunigen?

2. Bundesliga Süd in Walldorf In dieser Situation wurde nun auch IM David Lobzhanidze Remis angeboten, nachdem FM Jonas Hacker Davids eigenes Angebot einige Züge früher noch abgelehnt hatte. Angesichts des Wettkampfstands — Mathias hatte gerade aufgegeben, Gennadi stand auf Verlust, Andrey unklar, Vitaliy etwas besser — sah sich David gezwungen weiterzukämpfen. Hier war eine „italienische Stellung“ auf dem Brett, bei dem David als Weißer sich mit einem aggressiv aussehenden schwarzen Bauernaufmarsch am Königsflügel auseinandersetzen musste. Der schwarze König zog sich auf den anderen Flügel zurück, auf dem David nun seinerseits vorrückte.

Und schließlich hatte sich am achten Brett nach unorthodoxer, taktisch geprägter Eröffnung ein damenloses Mittelspiel ergeben, bei dem FM Uli Weber das größere Zentrum für sich reklamieren konnte, das aber ansonsten ausgeglichen war. Auch er lehnte ein Remisangebot von IM Christian Mann ab und verlegte sich im Folgenden darauf, nach mehr zu suchen.

So ging es also in die erste entscheidende Wettkampfphase: Vitaliy überspielte seinen Gegner, der bei knapp werdender Zeit sein Spielniveau nicht halten konnte. Gennadi musste seinen Widerstand einstellen. Bei Andrey ging es hoch her, er wehrte den Angriff auf seinen König ab und verblieb nach der Zeitkontrolle mit einem Mehrturm und einer notwendigen Königsflucht ins Freie, um Dame und Springer des Gegners zu entkommen. Ausgleich zum 3:3!

Nun wären uns friedliche Abschlüsse an den beiden übrigen Brettern willkommen gewesen, aber dafür war es zu spät! David war bei schwieriger werdender Stellung ein Bauer abhanden gekommen. Uli hatte inzwischen ein Endspiel mit Springer gegen Läufer und Bauern auf beiden Flügeln erreicht, bei dem er nur still stehen musste, um Remis zu machen, aber das kam für ihn angesichts von Davids Lage nicht infrage. In seinen Bemühungen, Wasser aus Stein zu pressen, stellte Uli schließlich einen Bauern auf ein Feld der Farbe des gegnerischen Läufers und ging damit zu weit. Und auch Davids Gegner verwertete seinen Mehrbauern ohne zu wackeln.

Am Ende stand für uns also eine etwas zu hohe 3:5-Niederlage, die mit mehr Glück und Geschick beim Remis Annehmen und Ablehnen auch zu einem 4:4 hätte werden können. Aber die Schlussfolgerung, wir hätten einfach alle Remisangebote annehmen sollen, wäre auch nicht richtig: Dann hätte Vitaliy nicht gewonnen! Schach bleibt also ein schwieriges Spiel, auch in dieser Hinsicht.

Die Tabellensituation ist durch die unterschiedliche Zahl der absolvierten Spiele der einzelnen Mannschaften etwas unübersichtlich. Durch den Sieg am Samstag haben wir die rote Laterne abgegeben. In der kommenden Doppelrunde müssen wir aber nachlegen!
(Arno Zude)